Natur erleben für Menschen mit Demenz

Seit dem Herbst 2019 gibt es auf dem Jugend-Naturschutz-Hof Ringstedtenhof das Projekt „Naturerleben auf dem Bauernhof – ein Angebot für Menschen mit Demenz“. Renate Krüger, die den Bauerngarten des JNH führt, hat dieses Projekt iniziert. Das Betreuungsangebot richtet sich als Entlastungsangebot an Menschen, die ihre Angehörigen Zuhause pflegen. Es ist vom Landesamt für Soziale Dienste des Landes Schleswig-Holstein nach §45 SGB XI Alltagsförderungsverordnung anerkannt. Damit gibt es die Möglichkeit, die Kosten von 45Euro pro Nachmittag von der Pflegekasse erstattet zu bekommen.

Die Treffen finden 14tägig Mittwochnachmittags in der Zeit von 14.30-17.30 Uhr statt. Das Programm der Treffen ist klar strukturiert und dauert drei Stunden. Das gesamte Hofgelände, die Tiere und vor allem der Bauerngarten ermöglichen den Teilenehmer:innen Naturbegegnung, sowie soziale und emotionale Erfahrungen. Auf Hoferkundungen mit Tierbegegnungen kann auch der warme Rücken eines Schafes gestreichelt werden, über die Mithilfe bei der Tierfütterung können Materialien wie Heu, Stroh und Getreide wahrgenommen werden, im Bauerngarten kann aktiv gegärtnert werden und viele Sinne über Düfte, Farben und Formen der reichhaltigen Bepflanzung angeregt werden.

So  kann die biologische Vielfalt des Hofes ganz nah durch gefühlsbetonten Zugang und durch die Ansprache mehrerer Sinne erlebt werden. Aktives Tun in Garten und Natur, sowie Anknüpfung an lange Bekanntes, wie z.B. alte Lieder und Gedichte, gemeinsames Kaffeetrinken, Kuchen essen und klönen gehören immer dazu.

„Der Duft der Kräuter und Blumen, das Erleben von Sonne und Wind, das streicheln der Tiere fördert wohlige Gefühle und positive Gedanken“ so Renate Krüger, die nicht nur Gärtnerin und Umweltpädagogin ist, sondern auch eine Weiterbildung in Sozialpädagogik gemacht hat, in deren Rahmen die Idee zu diesem Projekt entstanden ist.  „Wo sonst können die alten Menschen noch Tieren wie Ringelnatter oder Laubfrosch begegnen oder alten Obst- und Gemüsesorten, wie beispielsweise  „Guter Heinrich“  oder „Köstliche Charneux“ probieren. Das weckt Erinnerung an Kindheit und Jugend“.

Das Betreuungsteam ist für die Betreuung von Menschen mit Demenz geschult. Unter der Leitung von Renate Krüger (Gärtnerin, Demenzschulung) sind Anna Zerrath (Sozialpädagogin, Sozialarbeiterin) und Rosemarie Hohmeier (Lehrerin, Krankenschwester) unterstützend dabei.

 

Das Projektteam von links nach rechts: Anna Zerrath, Renate Krüger, Rosemarie Hohmeier

 

Im Herbst 2020 wurde das Projekt  von der UN Dekade Biologische Vielfalt im Rahmen des Sonderwettbewerbs „Soziale Natur – Natur für alle“ ausgezeichnet. Mehr dazu finden Sie im Artikel: „Auszeichung von der UN-Dekade Biologische Vielfalt für das Demenz-Projekt“